Workshop über frühkindliche Erziehung zur Demokratie
mit David Scheidt am 7. Mai 2026

Am letzten Donnerstag hat uns der Leiter der Ormesheimer Kita, David Scheidt, über Grundlagen der frühkindlichen Demokratie-Erziehung aufgeklärt. Der Beginn schien uns erst einmal nicht so viel mit Aufklärung zu tun zu haben. Wir sollten aus mitgebrachtem Draht entweder ein Portrait oder ein Fahrrad formen, wobei Letzteres auch noch stehen können sollte. ›Na gut‹, dachte mancher bei sich, ›das ist ja eher Kindergarten als Aufklärung über Kindergarten.‹ Es machte dann doch irgendwie Spaß, aber nicht unsere merkwürdigen Gebilde waren der Knalleffekt, der kam erst später.
Die meisten versuchten mit mehr oder weniger Erfolg, Fahrräder zu formen, einige versuchten sich an einem Selbstporträt und eine hatte überhaupt nicht begriffen, worum es gehen sollte.

Aber dann! Wir sollten unsere aufrecht stehenden (oder geklebten) Gebilde schräg von oben mit dem Handylicht anstrahlen, so dass ein kräftiger Schatten entsteht, und diesen Schatten mit Bleistift nachzeichnen.
Hoppla! Je nach Lichteinfall entstand ein unterschiedlich gezerrtes Abbild der Drahtfigur, ein mysteriöses Schattenbild, das man interessant, rätselhaft oder ganz einfach »schön« nennen konnte. Damit hatte David Scheidt uns, wohin er uns haben wollte.

Die Erfahrung, mit eigenen Händen »Schönes« zu kreieren, gehört zu den Grunderfahrungen, die nach Davids Konzept einer frühkindlichen Erziehung Kindern vermittelt werden sollen. Dieses Konzept fußt auf der Reggio-Pädagogik, die in den späten 40er Jahren in der norditalienischen Stadt Reggio nell‘ Emilia von Frauen entwickelt wurde. Sie verstand sich als Gegenkonzept der Pädagogik im faschistischen Italien und stellte deshalb die Erziehung zur Freiheit in den Mittelpunkt. Dabei spielen ästhetische Erfahrungen eine wichtige Rolle. Denn Schönheit ist, wie schon Friedrich Schiller sagte, »Freiheit in der Erscheinung«, das heißt: Sie bringt Freiheit zur Anschauung, weil sie im Idealfall vollkommen zweckfrei ist, weil ihre »Erscheinung«, ihre Gestalt, keinen Zwecken unterworfen ist wie etwa ein ›schöner‹ Krug, dessen Henkel und Tülle seinen Zweck verraten. Und wenn Kinder (oder wir) Draht zu einem Fahrrad zurechtbiegen, dessen unzulängliche Form im Schattenwurf plötzlich zu etwas »Schönem« wird, entsteht Freude – wir werden uns der (unserer) Möglichkeit bewusst, frei zu sein.

Das war nur der Anfang  – danach ging es um weitere Grundpfeiler der Reggio-Pädagogik, etwa um die Zuständigkeit der ganzen Stadt für die Erziehung ihrer Kinder, darunter auch für die Bereitstellung von schönen (!) Räumen u.v.a. (vgl. auch Wikipedia). Darüber entspann sich eine lebhafte Diskussion, die erst durch Davids Hinweis, dass er jetzt nach Hause müsse, um seine Kinder zu versorgen, beendet wurde.

Es war ein hochinteressanter, spannender und anregender Abend, für den wir David Scheidt herzlichsten Dank sagen!

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